Artikel von René Erdbrügger
PINNEBERG
Von der Straße aus wirkt die R.W. Automobile GmbH an der Straße Am Hafen wie eine klassische Werkstatt – doch hinter den Toren verbirgt sich ein neuer Trend: individuell ausgebaute Camper-Vans.
Dort werden Fahrzeuge nicht nur repariert, verkauft oder gewartet, sondern nach Kundenwunsch ausgebaut.
Mit einer Tankstelle angefangen
Madita Wohlers, 25, die mittlerweile die dritte Generation der Familie im Betrieb repräsentiert, gibt einen Einblick in die Unternehmensgeschichte, die aktuellen Entwicklungen und die Zukunftspläne des Familienbetriebs. „Wir haben ursprünglich um 1970 mit einer Tankstelle in Pinneberg angefangen“, erzählt sie. Später war die Familie lange Zeit in Barmstedt aktiv – mit dem Autohaus Barmstedt – bevor der Betrieb 2006 wieder nach Pinneberg zog. Außer ihr sind ihr Vater Andreas, 54, und ihr Großvater Heinz, 76, im Betrieb aktiv.
Das Team wird durch sieben Mitarbeiter ergänzt, die alle Bereiche des Unternehmens abdecken. Die Unternehmerin, die das Johannes-Brahms-Gymnasium in Pinneberg besuchte, hat zunächst eine kaufmännische Ausbildung in der Baustoffbranche absolviert und 2023 als Landesbeste in Schleswig-Holstein abgeschlossen. Weil ihr Vater krank wurde, entschloss sie sich, in die Firma einzusteigen. Es hat geklappt.
„Wir sind eigentlich ganz gut aufgeteilt. Ich mache das Büro, mein Vater ist für die Werkstatt und mein Großvater Heinz ist für den Verkauf zuständig.“
Der Familienbetrieb Wohlers kauft und verkauft sowohl Pkw, bietet klassische Werkstattleistungen wie Inspektionen, Reparaturen und Räderwechsel und komplexe Umbauten und Transportwagen für Pferde. Wohlers reitet selbst und war bereits mehrfach für das Holsteiner Team auf Weltmeisterschaften unterwegs.
Von jungen Paaren bis zum Surfer
Seit Mai 2024 ist ein weiterer Bereich hinzugekommen: die Marke Sylt-Camper. Dabei handelt es sich um maßgeschneiderte Camper-Vans. Die Kundschaft ist dabei breit gefächert – von jungen Paaren Anfang dreißig, die ihren ersten Camper erwerben, bis hin zu älteren Reisenden, die komfortabel und stadttauglich unterwegs sein möchten. Auch Surfer gehören zu dem Kundenstamm. Für den VW-Camper im Ausstellungsraum muss man 60.000 Euro hinblättern. „Wir haben nach dem Corona-Boom für Camper angefangen, weil da die Preise für die Fahrzeuge wieder zurückgegangen sind.“
Für seine innovativen Ansätze wurde der Familienbetrieb kürzlich mit dem Preis „Unternehmen der Zukunft“ ausgezeichnet. Madita Wohlers dazu: „Wir haben uns nicht direkt beworben. Wir wurden für eine Umfrage ausgewählt, in der unser Unternehmen von außen bewertet wurde. Ich vermute, dass unsere Camper-Sparte ein Grund für die Auszeichnung war, weil wir hier stark wachsen und Lösungen bieten, die unsere Kunden begeistern.“ Die offizielle Übergabe mit Trophäe findet am Freitag, 6. Februar, statt.
Aktuell setzt der Betrieb noch auf Verbrennerfahrzeuge. E-Modelle sollen Schritt für Schritt integriert werden, wobei Reichweite und Ladezeiten noch eine Herausforderung darstellen. „Für uns kommt es darauf an, dass die Fahrzeuge zuverlässig und praktisch für unsere Kunden sind. Wir beobachten die Entwicklung“, erklärt Wohlers. Für die Zukunft hat sie klare Ziele: „Wir möchten weiter wachsen, die Camper-Sparte ausbauen, unsere Mitarbeiterzahl erhöhen und unsere hohen Qualitätsstandards beibehalten. Wir planen lieber konservativ, freuen uns aber über jeden Erfolg Tag für Tag.“
Der ADAC bewertet den zunehmenden Camper-Tourismus unterdessen grundsätzlich positiv. „Er bietet Städten und Regionen die Chance, neue Zielgruppen anzusprechen und vom Tourismus auch abseits klassischer Urlaubszeiten zu profitieren“, sagt Rainer Pregla, Sprecher ADAC Schleswig-Holstein. Voraussetzung dafür sei jedoch eine gut geplante Intrastruktur mit ausreichenden Stellplätzen, klaren Regelungen und einer guten Besucherien kung. „Gelingt dies, kann Camper-Tourismus einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung leisten und zugleich nachhaltig gestaltet werden“, sagt er.
Der ADAC informiert Camper-Fahrer übrigens regelmäßig über die besonderen Anforderungen großer und schwerer Fahrzeuge. Dazu gehören Hinweise zu längeren Bremswegen, größeren toten Winkeln und eingeschränkter Übersicht“, so Pregla. Insbesondere im Zusammenspiel mit Radfahrern und Fußgängern rät der ADAC zu vorausschauendem Fahren, moderater Geschwindigkeit innerorts sowie erhöhter
Aufmerksamkeit beim Abbiegen und Rangieren. Schulungsangebote, Ratgeber und Online-Informationen sensibilisieren zudem für typische Gefahrensituationen, etwa beim Überholen von Radfahrenden oder beim Einfahren in verkehrsberuhigte Bereiche.
